SPD Friedenau - Dokumentation: Rede des Vorsitzenden Serge Embacher zum Neujahrsempfang

Veröffentlicht am 31.01.2014 in Abteilung

Am 26. Januar 2014 war der Neujahrsempfang der Friedenauer SPD. Wir dokumentieren hier die Rede des Abteilungsvorsitzenden Serge Embacher:

Zitat: ...Unsere Aufgabe ist es, die „offizielle“ Politik kritisch zu begleiten und mit neuen Impulsen zu beleben. „Parteien wirken bei der politischen Willensbildung mit“, heißt es im Grundgesetz. Diese Aufgabe ist umso wichtiger, je näher man sich an der Basis der Politik bewegt, dort, wo sie mitten unterm Volk ihre Wirkungen zeigt...

Zum Download (PDF)

Berlin- Friedenau , Sonntag, den 26. Januar 2014

Rede beim Neujahrsempfang der SPD Friedenau

Serge Embacher

Liebe Genossinnen und Genossen,

mit ihrem Votum zum Koalitionsvertrag haben wir Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten für einen ganz besonderen Abschluss des politischen Jahres 2013 gesorgt. Erstmals in der deutschen Parteiengeschichte konnten die Mitglieder einer Partei direkt über einen zuvor ausgehandelten Koalitionsvertrag entscheiden.

Dreiviertel von uns haben sich für, ein Viertel hat sich gegen den Koalitionsvertrag entschieden. Damit hat Sigmar Gabriel eine sehr gute Ausgangsposition, um einerseits konstruktiv mit der Union zu regieren; andererseits hat er aber auch eine Art „mentale Reserve“ im Hinterkopf, um sich die Option zu einer linken Mehrheit in Deutschland – 2017 oder früher – offen zu halten.

Das Mitgliedervotum war damit in mehrfacher Hinsicht ein starkes Signal:

  • ein Signal für ein großes gegenseitiges Vertrauen innerhalb unserer Partei,
  • ein Signal für den Anspruch der SPD, Regierungspolitik für ganz Deutschland aktiv und verantwortlich mitzugestalten,
  • vor allem aber ein Signal dafür, dass der Gedanke der Beteiligung und Mitbestimmung endgültig in der deutschen Sozialdemokratie angekommen ist.

Und genau diesen Gedanken, dass an demokratischen Entscheidungen möglichst viele Menschen beteiligt werden sollen, wollen wir hier an der Basis, im Ortverein, in unserer Friedenauer SPD, weiterhin stark machen. Unsere Aufgabe ist es, die „offizielle“ Politik kritisch zu begleiten und mit neuen Impulsen zu beleben. „Parteien wirken bei der politischen Willensbildung mit“, heißt es im Grundgesetz. Diese Aufgabe ist umso wichtiger, je näher man sich an der Basis der Politik bewegt, dort, wo sie mitten unterm Volk ihre Wirkungen zeigt.

Vor diesem Hintergrund werden wir genau darauf scheuen, was die neue Bundesregierung jetzt macht. Sie muss jetzt zügig ihre Arbeit aufnehmen und die im Koalitionsvertrag vereinbarten Weichenstellungen praktisch auf den Weg bringen.

Unsere sozialen Kernthemen liegen uns dabei natürlich besonders am Herzen: Mehr Ordnung und Gerechtigkeit auf dem Arbeitsmarkt, ein gerechteres Rentensystem und Verbesserungen bei Gesundheit und Pflege.

Mindestlohn und Bekämpfung der Auswüchse bei Leiharbeit und Werkverträgen – das sind für uns zentrale Fragen. Ab 2015 soll ein gesetzlicher und bundesweiter Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde gelten. Der Missbrauch von Leiharbeit und Werkverträgen soll wirksam eingedämmt werden. Und auch bei der Rente soll sich was tun: Abschlagsfrei nach 45 Beitragsjahren ab dem 63. Lebensjahr und eine solidarische Lebensleistungsrente von 850 Euro.

Wenn diese Vorhaben tatsächlich in Gesetzesform mit der Union durchgesetzt werden könnten, wäre schon einiges gewonnen. Doch sollten wir uns damit nicht zufrieden geben. Nach wie vor gibt es keine Lösungen für zentrale Probleme:

  • Durch die Ansenkung der Rentenformel wird es trotz der angestrebten Verbesserungen auch künftig massenhaft Fälle von Altersarmut trotz lebenslanger Arbeitsleitung geben;
  • Das ungerechte und in der Handhabung würdelose Hartz-IV-System hält für viele Menschen gnadenlose Härten bereit. Darüber wollen wir uns bei unserer nächsten Mitgliederversammlung übermorgen unterhalten.
  • Das ungerechte Steuersystem, das wenige Begüterte stark begünstigt und viele mittlere und niedrige Einkommen über Gebühr belastet, wurde im Koalitionsvertrag durch den Widerstand der Union nicht angetastet. Hier brauchen wir dringend eine andere Politik schon allein deshalb, damit die immer maroder werdende Infrastruktur in unseren Städten und Gemeinden nicht immer weiter verfällt.

Am 25. Mai finden die nächsten Europawahlen statt. Dieses Ereignis wird uns in den nächsten Monaten stark beschäftigen. Die Idee eines geeinten und friedlichen Europas bewegt uns Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten schon seit dem Heidelberger Parteitag 1925. Für solch ein Europa müssen wir in den kommenden Monaten bis zur Europawahl werben – und im praktischen Handeln dafür sorgen, dass es tatsächlich auch entstehen kann.

Auch Europa muss für seine Bürgerinnen und Bürger endlich als lebendige Demokratie erfahrbar werden. Als etwas, wo jede und jeder Einzelne mitreden und mitentscheiden kann. Vor allem wollen wir uns natürlich dafür einsetzen, dass der Genosse Martin Schulz zum nächsten Präsidenten der Europäischen Kommission gewählt werden kann. Das wäre in echter Durchbruch und ein Signal für ein absehbares Ende der neoliberalen Brüsseler Politik, für ein soziales und gerechtes Europa, nicht ein Europa der Dominanz von Banken und Kapitalbesitzern.

Wir haben also auch 2014 – wie immer, muss man augenzwinkernd hinzufügen – viel vor. Wir müssen uns weiter dafür einsetzen, dass diejenigen, die viel besitzen, sich stärker an den gemeinsamen Aufgaben beteiligen als bisher. Wir müssen uns weiter dafür einsetzen, dass Deutschland endlich so viel für die Bildung und Erziehung aufwendet wie andere Industrieländer. Wir müssen uns weiter dafür einsetzen, dass die Kommunen und Landkreise genug Geld haben, um ihren Beitrag zum Zusammenhalt der Gesellschaft leisten zu können. Und wir müssen uns weiter für mehr Bürgerbeteiligung und bürgerschaftliches Engagement einsetzen, für eine offene und vielfältige und lebenswerte Gesellschaft.

Vor allem aber wollen wir weiter dafür sorgen, dass Eure SPD ein lebendiger Laden ist, wo man gerne mal vorbeischaut, um mit Gleichgesinnten über große und kleine Politik zu diskutieren – oder auch einfach nur anzustoßen mit einem Bier oder einem anderen Kaltgetränk! Daher lasst uns anstoßen auf das neue Jahr 2014. Ich wünsche uns allen dazu Kraft, Gesundheit, und Glück und sage: Es lebe die Friedenauer SPD, prosit Neujahr, auf Euer Wohl!

 

Aktuelle Artikel der SPD Friedenau

  • "Wir wollen Brot, aber auch Rosen!". Rund um den 8. März, den Internationalen Frauentag, verteilen ...
  • Jahreshauptversammlung am 28.02.2026. Die Jahreshauptversammlung hat einen neuen Vorstand gewählt Marijke Höppner und Clemens Fritsch stehen künftig gemeinsam an der Spitze der Abteilung. Beide wurden von der Versammlung ...
  • Nachruf auf Uta Denzin-von Broich-Oppert (1939–2026). Mit großer Trauer nehmen wir Abschied von unserer Genossin Uta Denzin-von Broich-Oppert, die in der Nacht zum 12. Februar 2026 verstorben ist. Uta war über 60 Jahre Mitglied der Sozialdemokratischen ...
  • Unser Programm für Friedenau. Friedenau ist sehr dicht besiedelt – viele Menschen leben hier auf engem Raum, während Grün- und Erholungsflächen knapp sind. Herzstück Friedenaus sind seine Plätze: ...
  • EINLADUNG: Erinnerung braucht einen Ort. Anlässlich des Internationalen Tags des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus ehrt die SPD Tempelhof-Schöneberg regelmäßig um den 27. Januar gemeinsam ...

WebsoziInfo-News

03.05.2026 15:23 Martin Rabanus zum Tag der Pressefreiheit
Tag der Pressefreiheit: Wir schützen Journalist:innen und stärken die Medienvielfalt. Martin Rabanus, kultur- und medienpolitischer Sprecher: Am Tag der Pressefreiheit zeichnet sich eine desolate Entwicklung für Journalist:innen weltweit ab. Die SPD-Bundestagsfraktion fordert deshalb konsequenten Schutz und eine Digitalsteuer, die den Medienstandort Deutschland und Europa sichert. „Am Tag der Pressefreiheit geht es um mehr als um… Martin Rabanus zum Tag der Pressefreiheit weiterlesen

01.05.2026 15:23 Armand Zorn zum Tankrabatt
Wir entlasten schnell und spürbar Über die befristete Senkung der Energiesteuer ist es möglich, sehr schnell jene spürbar zu unterstützen, die es dringend brauchen. Jetzt kommt es darauf an, dass die Mineralölkonzerne die Steuersenkung an die Verbraucher:innen weitergeben und die Preise entsprechend senken. Mit der weiteren Schärfung des Kartellrechts muss rasch der dritte Teil unseres… Armand Zorn zum Tankrabatt weiterlesen

27.04.2026 15:26 Zum Tag der Arbeit: SPD-Spitze an der Seite der Gewerkschaften
Die SPD ruft zur Teilnahme an den diesjährigen Kundgebungen des DGB zum Tag der Arbeit am 1. Mai auf. Ganz im Sinne des diesjährigen Mottos „#GEMA1NSAM – Für gute Arbeit“ kämpft die SPD an der Seite der Gewerkschaften für eine Entlastung der Beschäftigten und eine sichere Rente, für mehr Tarifbindung, einen höheren Mindestlohn und eine… Zum Tag der Arbeit: SPD-Spitze an der Seite der Gewerkschaften weiterlesen

Ein Service von websozis.info