Herausforderungen am Arbeitsmarkt - Boris Velter zu Gast in Friedenau

Veröffentlicht am 03.07.2016 in Allgemein

Auf der Mitgliederversammlung am 28. Juni 2016 hatten wir Boris Velter zu Gast, den in der Berliner Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen zuständigen Staatssekretär für Arbeit.

Zunächst stellte Boris Velter die aktuellen Zahlen des Arbeitsmarkts vor. Nach denen hat Berlin in den vergangenen Jahren viel geschafft: Die Arbeitslosenquote konnte gesenkt werden. Besonders erfreulich sei der Rückgang der Jugendarbeitslosigkeit von rund 20.000 im Jahr 2013 auf jetzt rund 13.500. Das seien gewiss immer noch 13.500 Jugendliche zu viel, betonte Boris Velter. Doch die in allen Bezirken im vergangenen Jahr neu geschaffenen Jugendberufsagenturen  seien bisher gut angenommen worden. Von ihnen erwartet der Staatssekretär unter Senatorin Dilek Kolat zunächst einen Anstieg der Arbeitslosenzahlen. Was paradox klingt, hat jedoch eine einfache Erklärung. Boris Velter: „Die Jugendberufsagenturen sorgen dafür, dass uns Jugendliche nach der Schule nicht verloren gehen. Momentan wissen wir nicht, was viele Jugendliche nach ihrem Schulabschluss oder nach einem Schulabbruch machen. Sie werden nicht registriert und gehen uns verloren. Das wollen wir ändern und uns gezielt auch um diese jungen Männer und Frauen kümmern. Dafür müssen wir sie registrieren, was zunächst zu einem Anstieg der Arbeitslosenzahlen in diesem Bereich führt.“

Der Schlüssel zum Arbeitsmarkt und zu einer niedrigen Arbeitslosenquote sei und bleibe die Ausbildung. Hier müsse nicht nur von Seiten der Jugendlichen, sondern vor allem auch von Seiten der Unternehmen in Berlin mehr kommen. Auch hier hat die Senatsverwaltung verschiedene Programme aufgelegt, um Betrieben Ausbildungsanreize zu schaffen.

Spannend war auch der Blick von Boris Velter auf Berlin als Einwanderungsstadt. Hier sprach er nicht nur die geflüchteten Menschen an, die in den kommenden Monaten und Jahren in den Arbeitsmarkt integriert werden sollen. „Berlin ist vor allem bei jungen Europäerinnen und Europäern beliebt. Die sind hoch qualifiziert und haben fast alle einen Universitätsabschluss. Sie kommen meist nur mit einem Koffer gepackt zu uns aus Spanien, Polen und Frankreich – dort vor allem aus Paris. Ihnen fehlt in ihren Heimatländern nicht nur eine Jobperspektive. Sie kommen nach Berlin, weil sie unzufrieden sind mit dem Politischen System in ihrer Heimat.“ Fast alle würden in den ersten Monaten einen Sprachkurs beginnen und hier einem Job nachgehen, der allerdings oftmals unterbezahlt und nicht ihren Qualifikationen entsprechen würde. „Viele jobben im Tourismus oder Gastronomiegewerbe, obwohl sie ausgebildete Ingenieurinnen und Ingenieure oder Pflegekräfte sind. Dieses Potenzial sollten wir besser nutzen.“

Viele Fragen und eine anregende Diskussion entwickelten sich nach dem Vortrag des Staatssekretärs. So wurden die zum Teil prekären Arbeitsbedingungen im Dienstleistungssektor, mehr Unterstützungsmaßnahmen für auszubildende Unternehmen und auch die Pflicht der Konsumenten und Verbraucher angesprochen, die durch ihr Verhalten auch Einfluss auf Arbeitsbedingungen von Unternehmen ausüben können.

Spannend sei jedoch vor allem die Frage, wie sich der Arbeitsmarkt in Berlin nach dem Brexit verändern und umgestalten würde. 

 

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