#Rosa150: SPD Friedenau, SJD – Die Falken und Jusos zum 150. Geburtstag von Rosa Luxemburg

Veröffentlicht am 03.03.2021 in Geschichte

Zum 150. Geburtstag von Rosa Luxemburg rufen SPD Friedenau, SJD – Die Falken und Jusos zu individuellen Gedenkspaziergängen am 5. März 2021 an den ehemaligen Wohnorten von Rosa Luxemburg in der Cranachstraße 58, in der Wielandstraße 23 und zum Luise & Karl Kautsky-Haus in der Saarstr. 14 auf.

Wir möchten an die große Sozialistin und Antimilitaristin in Friedenau erinnern, wo sie 12 Jahre ihres viel zu kurzen Lebens verbrachte.

Bitte legt Blumen an den Gedenktafeln nieder und postet Fotos mit dem Hashtag #Rosa150.

 

Rosa Luxemburg (1871-1919)
Rosa Luxemburg ist eine der prägendsten Persönlichkeiten der deutschen und internationalen sozialistischen Bewegung. 1871 in Zamość (Polen) geboren und studierte sie in Zürich Volkswirtschaft. Im Mai 1898 zog Luxemburg nach Berlin. Hier wurde sie zur mutigen Vordenkerin und viel beachteten Debattenrednerin der deutschen Sozialdemokratie. In den großen Debattenfragen der damaligen Zeit über Revisionismus oder Revolution, Nationalismus oder Internationalismus, Massenstreik als politisches Mittel, gegen Antisemitismus bezog sie klar Stellung.

Ab 1905 schrieb sie als Redakteurin beim "Vorwärts" und lehrte an der zentralen Parteischule der SPD als Dozentin für Wirtschaftsgeschichte und Nationalökonomie. Für die SPD wurde sie als Delegierte zu internationalen Sozialisten-Kongressen entsandt.

Krieg hielt Luxemburg als Antimilitaristin für den Rückfall in die Barbarei. Aufgrund ihrer entschiedenen Kriegsgegnerschaft war sie zwischen 1915 und 1918 fast ununterbrochen in Haft. Durch die Novemberrevolution 1918 kam sie wieder frei und gründete mit Karl Liebknecht den Spartakusbund und anschließend die KPD. Am 15. Januar 1919 wurden Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht von rechten Freikorpstruppen brutal ermordet.

Stationen des Gedenkspaziergangs: 

In Friedenau versuchte Rosa Luxemburg einerseits als Revolutionärin den Kapitalismus zu überwinden und andererseits als Mensch ein privates Glück zu (er)leben. So wie in den Revisionismusstreit oder die erste Russische Revolution des Jahres 1905, stürzte sie sich auch in ihre Liebesbeziehungen mit Leo Jogiches, mit Kostja Zetkin oder Hans Diefenbach. Rosa Luxemburgs erste eigene Wohnung in der Cranachstraße 58, die sie von 1902 bis 1911 bewohnte, stellte dabei den privaten Rückzugs- wie den politischen Arbeitsraum dar.

1. Station Cranachstr. 58

Unsere Reise beginnt bei der Cranachstr. 58. Es ist Anfang des 20sten Jahrhunderts und Kaiser Wilhelm der 2. regiert das deutsche Kaiserreich. Auch das Berlin, was wir heute kennen, gab es 1902 noch nicht. Friedenau ist zu diesem Zeitpunkt noch eine eigenständige Landgemeinde, bis Friedenau 18 Jahre später in Berlin aufgeht. In demselben Jahr zog Rosa Luxemburg in ihre erste eigene Wohnung in Berlin. Sie wohnt zwar schon seit 1899 in Friedenau, genauer in der Wielandstr. 23, wo sie aber nur zur Untermiete wohnte. Hier wohnte sie bis 1911, wodurch diese Wohnung ihr längster Wohnort in Berlin war. Zu Zeiten Rosa Luxemburgs hatte diese Wohnung 2 Wohn- und Arbeitszimmer, von denen ein Zimmer von Leo Jogiches, dem Partner von Rosa Luxemburg, genutzt wurde. Außerdem schlief ein Dienstmädchen in der Küche. In den Dreißigerjahren wurde die Wohnung im dritten Stock in zwei Wohnungen geteilt. 1911 war sie auf der Suche nach mehr Ruhe weiter stadtauswärts in die Lindenstraße Nummer 2 in Südende gezogen. Dennoch werden in der Cranachstraße alljährlich Blumen niedergelegt. Die Bezirksverordnetenversammlung ließ in den Siebzigerjahren die Gedenktafel aufstellen, vor der ihr jetzt steht. Da sich der damalige Hausbesitzer gegen eine Anbringung an der Fassade gewehrt hatte, wurde ein Gestell in einer Blumenanlage - für die man sogar einen Parkplatz opferte - aufgerichtet. 

2. Station Wielandstraße 23

„Meine neue Adresse wird ab 1. die Wielandstraße 23 sein“ schrieb Rosa Luxemburg 1899 an einen Freund, nachdem sie aus der Schweiz nach Berlin übergesiedelt war, um hier im Zentrum der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands mitzuwirken. Hier wohnte sie bis 1902 in der ersten Wohnung in Friedenau. Sie schrieb: »Die Luft in Friedenau ist sehr gut, vor den Fenstern Bäume, Felder und Wälder nah gelegen, Ruhe, ein ausgesprochenes Villenquartier«, kurz nach ihrem Umzug aus dem innerstädtischen Berlin-Tiergarten in den damals beschaulichen Vorort am 16. August 1899 an Leo Jogiches. Damit beginnen die sogenannten “Friedenauer Jahre”, welche oft als die glücklichsten Jahre im Leben von Rosa beschrieben werden. Eigentlich war auch damals Friedenau eine ungewöhnliche Adresse für jemanden, der sich für die Anliegen der Arbeiterschaft einsetzte. Doch Luxemburg hatte sich den Bezirk als Wohnort ausgesucht, da sie hier die Ruhe zum Schreiben fand, die sie brauchte. Wichtig war ihr wohl auch die Nähe zum sozialdemokratischen Theoretiker Karl Kautsky, der mit seiner Familie in der Saarstraße wohnte. Auf Anregung der SPD-BVV Fraktion Tempelhof-Schöneberg wurde 2013 auch hier eine Gedenktafel angebracht, um das Leben und Wirken von Rosa Luxemburg zu würdigen. 

3. Station Luise & Karl Kautsky-Haus, Saarstr. 14

Ein Grund für den Umzug nach Friedenau war, dass die Familie Kautsky (Karl und Luise Kautsky) hier in der Saarstr. 14 wohnte. Mit ihr verband Rosa Luxemburg eine lange und enge Freundschaft. Durch den Umzug wohnte sie seit 1899 in direkter Nachbarschaft zur Familie Kautsky. Karl Kautsky schätzte die scharfsinnige Rosa Luxemburg und öffnete ihr den Zugang zu seiner eigenen Theoriezeitschrift "Die Neue Zeit". Später schlug er sie dem SPD-Vorstand als Referentin an der Parteischule vor. Zwischen Luise Kautsky und Rosa Luxemburg entwickelte sich damals eine persönliche Freundschaft, die auch nach Rosa Zerwürfnis mit Karl anhielt. Zum Bruch zwischen Rosa Luxemburg und Karl Kautsky kam es 1914, als er nicht stark genug dem Kriegskurs der SPD entgegen trat. Die Zerwürfnisse mit Karl waren auch ein Grund für den späteren Wegzug aus Friedenau.

 
 

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