Discounter-Ödnis am Güterbahnhof Wilmersdorf? SPD: "Lieber nix als das!"

Veröffentlicht am 27.01.2011 in Stadtentwicklung

Am 25. Januar 2011 hatte die Jahreshauptversammlung der SPD Friedenau die Entwicklung im Kiez zum Thema. Hierbei ging es vor allem um die Zukunft des ehemaligen Güterbahnhofs Wilmersdorf. Hier könnte schon bald eine weitere autogerechte, öde und anonyme Einkaufsmöglichkeit mit Fastfood-, Baumarkt- und Discounter-Filialisten entstehen.

Dem Referenten des Abends, Christoph Götz, Planer und Mitglied im Ausschuss für Stadtplanung der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Tempelhof-Schöneberg, geht das gehörig gegen den Strich: "Lieber nix als das!" Die Friedenauer SPD will deshalb stattdessen auf den Ideenreichtum der Bürger im Viertel setzen.

Unweit der Verladerampe klappern die alten Schaltkästen im Wind. Und der pfeift in diesen Tagen ungebremst über die Höhen des alten, aufgelassenen "Güterbahnhofs Wilmersdorf". Das Areal des ehemaligen Umschlagplatzes verwaist seit den 1970-er Jahren, nachdem die Bahn den Betrieb stillgelegt hatte. Zwischen Handjerystraße und Hauptstraße, S-Bahn, Innsbrucker Platz und einem namenlosen Pflasterpfad im Süden erstreckt sich (noch) eine Stadtbrache, welche die Eigentümerin Deutsche Bahn unlängst an den Investor Böag verkauft hat.

Die Böag Beteiligungs-Aktiengesellschaft ist ein Hamburger Unternehmen, das auch in Berlin als Investor und Entwickler vielfach tätig ist – Ikea an der Alboinstraße hat er beispielsweise entwickelt oder Grundstücke am Tempelhofer Damm, die von Penny (Rewe) und Burger King genutzt werden.

Vergleichbares scheint den Investoren der Böag auch auf dem Areal des ehemaligen "Güterbahnhofs Wilmersdorf" vorzuschweben, das rund 30.000 Quadratmeter umfasst, umgerechnet also vier Fußballplätze. Hier könnte sich demnächst hier eine Ansammlung gehobener Läden großer Ketten um einen gewaltigen Parkplatz gruppieren, der Autofahrer von Hauptstraße und Stadtringautobahn anlocken soll.

Riesenparkplatz? Gehobene Kettenläden?

Christoph Götz erinnerte an Beschlüsse von SPD und BVV, die auf diesem Areal im Wesentlichen eine Wohnbebauung wollen. Sie soll von Emissionen und Verkehrslärm seitlich abgeriegelt durch gewerblich geprägte Bebauung abgeriegelt werden. Das könnten designorientierte Möbelhäuser sein oder ein Autohaus, das aus dem Rahmen fällt. Vielleicht auch neuartige Fachgeschäfte, deren Angebotspalette im Zeitgeist liegen. "Ideen müssen her", so stimmten ihm eine Reihe von Friedenauer Sozialdemokraten zu, "aber keine Einfallslosigkeit".

Der Investor, so Götz, werde mit einer 0815-Lösung zumindest bei den SPD-Bezirksparlamentariern auf Granit beißen. Für die CDU-Fraktion könne er die Hand aber nicht ins Feuer legen. Die Böag ist auf die Zustimmung durch das Bezirksparlament angewiesen.

"Schlichte Flachbauten für Discounter entstehen oft auf einstigen Bahnflächen. Viele Berliner ärgert das, die SPD will den Auswuchs jetzt bremsen", überschrieb der Tagesspiegel einen Bericht einen Tag später.

Für zusätzliche Einkaufszentren auf Discount-Niveau und für einen Parkplatz, darüber waren sich auch die SPD-Mitglieder am 25. Januar einig, seien die Filetstücke am Güterbahnhof zu wertvoll. Die gute Verkehrsanbindung sei ein Pfund, mit dem gewuchert werden müsse.

Referent Christoph Götz plädierte für eine urbane, interessant verdichtete Wohnbebauung, etwa mit Lofts, wie sie augenblicklich in Berlin-Mitte "wegingen wie geschnitten Brot". Denkbar sei auch kreatives Gewerbe, das zu dem typisch Friedenauer Flair passe. Eine Ansammlung von Filialen großer Ketten ziehe dagegen Kaufkraft und Lebensqualität von der Hauptstraße bis hin zur Rheinstraße ab. "Es kommt darauf an, die Qualität der Hauptstraße zu halten, zu verbessern und zu stützen." Und: "Je mehr wir solche weiteren Einkaufszentren zulassen", hieß es aus der Mitte der Friedenauer Sozialdemokraten, "desto eher geht unser Quartier kaputt."

Um ein Ausbluten von Friedenau zu verhindern, will die Friedenauer SPD in ihrem Stadtteil nun die Bürger nach ihren Wunschvorstellungen befragen – nicht nur die Bezirksparlamentarier in der BVV sind auf ihren Ideenreichtum gespannt.

 

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