„Auf ein Wort mit Mechthild Rawert“ - Sommerfrühstück zum Thema Gesundheit in der ufaFabrik

Veröffentlicht am 26.08.2012 in Gesundheit

„Starke Frauen und Männer voll im Leben“; so lautete ein Motto beim „Sommerfrühstück Gesundheit“ am 22. August im Nachbarschafts- und Selbsthilfezentrum in der ufaFabrik e. V. (NUSZ) in Berlin-Tempelhof.

Der Einladung der Tempelhof-Schöneberger SPD-Bundestagsabgeordneten Mechthild Rawert waren neben der Hausherrin Renate Wilkening, Geschäftsführerin des NUSZ, auch Gerd Rosinsky, Geschäftsführer der Deutschen Rheuma-Liga Berlin e.V., Gudrun Laufer, Leiterin des Projekt "Zukunft vor Ort - CSR-Informations- und Beratungsstelle für Handwerksbetriebe" im Bildungs- und Technologiezentrum der Handwerkskammer Berlin, Jutta Hahne, ehrenamtliche Vorstandsfrau der Psychologischen Beratungsstelle für Krebskranke und Angehörige Selbsthilfe Krebs e.V., und die Vorsitzende der ASF Tempelhof-Schöneberg, Manuela Harling, gefolgt.

MitarbeiterInnenzufriedenheit fördert die Gesundheit
Gudrun Laufer stellte heraus, wie wichtig gesund erhaltende Arbeitsplätze und die Bindung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an das Unternehmen sind. Bis Ende 2014 baut die Handwerkskammer Berlin eine Beratungsstelle für faires Wirtschaften im Sinne von Corporate Social Responsibility (CSR) auf. Die BeraterInnen unterstützen Handwerksbetriebe dabei, verantwortungsvolles Handeln sinnvoll in den Betriebsalltag und in die Kommunikation einzubinden. Eine große Rolle spielen hier Firmen, die - zusammen mit ihren Beschäftigten - eine langfristige Zukunftsperspektive inklusive gesunder Arbeitsplätze und fairer KundInnenbetreuung entwickeln sollen.

Mitspracherechte der PatientInnenvertreterInnen ausbauen
In seinen Forderungen an die Bundespolitik nahm Herr Rosinsky kein Blatt vor den Mund und stellte klar, dass nach seiner Ansicht in der Gesundheitspolitik auf Bundesebene oft keine klare Linie zu erkennen ist. Es klang Sehnsucht nach einer Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt durch seine Äußerungen.

Für ihn ist klar, dass PatientenvertreterInnen auch in Berlin mehr Mitspracherechte brauchen. Diese wären gewährleistet, wenn PatientInnenvertreterInnen im Prüfungs- und Bewertungsausschuss des Landes Berlin säßen. Nur so kann sichergestellt werden, dass die Sekundär- und Tertiarprävention nicht weiter „ausgeblendet wird“.

Für Gerd Rosinsky ist die Versorgung der rheumakranken Berlinerinnen und Berliner mit RheumatologInnen weiter ein großes Problem. Auch fehlen FachärztInnen mit muttersprachlichen Kenntnissen. Dies ist in einer multikulturellen Stadt wie Berlin, wo es so viele ÄrztInnen gibt, „ein Skandal“ - so Rosinsky. Und: Eine Erhöhung der Präventionsausgaben der Krankenkassen im betrieblichen Bereich muss mit der Stärkung der Selbsthilfegruppen einhergehen.

Rheuma ist ein Sammelbegriff für mehr als 100 rheumatische Erkrankungen und andere Erkrankungen des Muskel- und Skelettsystems. Rheumatische Erkrankungen beeinträchtigen die Bewegungsfunktionen, können Gelenke zerstören und Organe befallen. Rheumakranke Menschen leiden deshalb meist unter großen Schmerzen. Jede und jeder kann an Rheuma erkranken - in jedem Alter - sogar als Kind.

Psychosoziale Arbeit in der Krebsbehandlung stärken
Jutta Hahne stellte fest, dass die psychosoziale Komponente in der Krebsbehandlung - vor allem von Ärzten und Ärztinnen - noch zu wenig erkannt und anerkannt wird.

Das Konzept der Psychologischen Beratungsstelle sei deutschlandweit einmalig, da ausschließlich „Selbstbetroffene“ die Beratung von Erkrankten und Angehörigen übernehmen. Diese haben selbstverständlich zusätzlich auch die entsprechenden beruflichen Qualifikationen, sind Psychologinnen oder Sozialpädagoginnen. Frau Hahne führt weiter aus, dass Kunst-Therapien, Mal-Therapien und Gesundheitstrainings von den Betroffenen sehr gut angenommen werden.

Ein großes Problem - so Hahne - ist, dass die Spenden oft nicht ausreichen, um die erforderliche 10% Co-Finanzierung zusätzlich zu den Geldern der öffentlichen Hand schwer zu stemmen ist.

Ein ständiges Ärgernis ist der Lobbyisteneinfluß in der Gesundheitspolitik. Dieser muss - so Jutta Hahne weiter - zurück gedrängt werden. Sie schlägt vor, sich auf wissenschaftliche Ergebnisse und deren Umsetzung zu konzentrieren.

Alle Angebote sind inklusiv
Die umfangreiche Arbeit des NUSZ, des Nachbarschafts- und Selbsthilfezentrum in der ufa-Fabrik e.V., stellte Renate Wilkening vor und betonte, dass „alle Angebote vor Ort barrierefrei, also inklusiv sind“. Es gibt im NUSZ unter anderem Selbsthilfegruppen für Menschen mit seltenen Erkrankungen, Angebote in der Schwangerschaftsvor- und nachsorge, seit 1993 eine SchreiBabyAmbulanz, umfangreiche - von den Krankenkassen anerkannte - Präventionskurse und auch einen kleinen ambulanten Pflegedienst. Dass dieser vor kurzem vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen geprüft wurde und in allen Kategorien die Bestnote 1,0 erhalten hat, macht „unglaublich stolz“.

Besserer gesellschaftlicher Status für Gesundheits- und Pflegeberufe
Dass für die Beschäftigten in den Pflege- und Gesundheitsberufen mehr investiert werden muss, steht für Renate Wilkening außer Frage. Neben einer stärkeren gesellschaftlichen Anerkennung gehört dazu auch eine deutlich bessere Bezahlung. Frauen und Männer in Gesundheitsberufen müssen mit ihrer oft schweren Tätigkeit ihre Familien ernähren können.

Ein wichtiger Aspekt ist für Renate Wilkening auch, die Familienpflegerinnen zu erhalten, diese leisten eine wichtige Arbeit, so Wilkening in ihren Forderungen an die Bundespolitikerin Mechthild Rawert. Diese stimmt der Forderung zu, kritisiert aber, dass die entsprechenden Bundesprogramme befristet seien und dass es bislang kein gesichertes Berufsbild bzw. keine bundeseinheitlich anerkannte Qualifizierung für Familienhebammen gibt.

Mechthild Rawert wies auf das Problem des „Flickenteppichs“ in der Bildungslandschaft Pflege hin. Ausbildungen unterscheiden sich oft von Bundesland zu Bundesland oder von Träger zu Träger. Dies ist dem von ihr geforderten Konzept der Druchlässigkeit und des lebenslangen Lernens abträglich, so Rawert. Auch muss jeder Berufsabschluss dazu befähigen, eine Ausbildung auf einer anderen Ebene daran anschließen zu können. Notwendig sei, so Rawert: „kein Abschluss ohne Anschluss“. Für „starke Frauen und Männer voll im Leben“ ist es unverzichtbar, keine Sackgassenberufe zu erlernen.

 

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