100 Schlafplätze unter Luftkissen: Die Berliner Stadtmission und Care Energy helfen Obdachlosen

Veröffentlicht am 27.11.2014 in Soziales

Berlin, Friedenau. Es ist kurz nach 21 Uhr. Auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs Wilmersdorf ist der feuchte Nebel zu spüren, wie er bei 3 Grad Celsius unter die Winterjacke zieht. Ungemütliches Wetter, bei dem man sich am liebsten in die warme Stube verziehen möchte. Doch was ist, wenn man keine eigenen vier Wände hat? Wenn man auf der Straße lebt und dem nass-kalten Winter permanent ausgesetzt ist? Unterschlupf bietet jetzt eine Halle, die nahe des Innsbrucker Platzes errichtet wurde. Die Warmlufthalle „Halle-Luja“. Die SPD Friedenau hat ihre Mitgliederversammlung genutzt und die Halle und ihre „Bewohner“ für einen Abend besucht.

In grün und weiß strahlt das Licht durch die transparenten Luftkissen in die Berliner Nacht. Gut sichtbar für diejenigen, die auf der Suche sind nach einem Schlafplatz. Für 100 obdachlose Männer bietet die Traglufthalle eine Unterkunft. Jeden Tag von 21 bis 8 Uhr morgens. Sie ist eine von drei Notunterkünften, die die Berliner Stadtmission in den Wintermonaten betreibt. Bereitgestellt und finanziert wird die Halle von der Firma Care-Energy. Der Strom kommt über eine Photovoltaikanlage, erläuterte Marc März, Leiter Public Affairs von Care-Energy.

Anna Singatulina von der Berliner Stadtmission führte die rund 40 Genossinnen und Genossen zunächst durch die Warmlufthalle. Diese waren sichtlich überrascht. Grüner Rollrasen und bunte Blumen schafften eine angenehme Umgebung. Die Feldbetten haben Matratzen, Shampoo und Zahnbürsten sorgen für die Hygiene und eine kleine Küchenzeile für das leibliche Wohl, das meist von der Tafel gespendet wird. „Ab 18.30 Uhr sind ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dabei, Essen vorzubereiten“, sagt Anna Singatulina. „Fünf am Abend und drei bleiben die ganze Nacht. Helferinnen und Helfer sind aber immer willkommen!“

Das haben sich einige Genossinnen und Genossen aus Friedenau nicht zwei Mal sagen lassen und sind für den Abend zum Suppenausschank und zur Gepäckabgabe geblieben. Jeder Obdachlose wurde zunächst kurz auf gefährliche Gegenstände abgetastet und medizinisch untersucht. „Das Gepäck lagert in einem Container, ist aber den gesamten Abend zugänglich“, erklärte Karen Holzinger, ebenfalls von der Berliner Stadtmission. Danach gab es neben Suppe auch Salat und frisches Obst zur Stärkung. Sogar eine kleine Bühne ist vorhanden, auf der die Menschen mit mitgebrachten Instrumenten musizieren können. Eine angenehme und ruhige Atmosphäre, die zum harten Leben auf der Straße eine willkommene Abwechslung zu sein scheint. Um 22 Uhr werden die Schlafplätze geöffnet. Morgens gibt es dann Kaffee und einen Snack für den Tag.

Die Warmlufthalle startete im Januar 2014 als Pilotprojekt und geht jetzt in die zweite Saison. Im vergangenen Jahr habe die Kältehilfe rund 2.400 Personen versorgt. Berlinweit biete sie 500 Schlafplätze an. Im Vergleich zu den Obdachlosenzahlen wenig, weshalb auch hier die Politik in der Pflicht ist, zu handeln. Der „fliegende Bau“, wie er in der Landesbauordnung genannt wird, ist mit seinen 100 Schlafplätzen nur temporär. Bis Ostern steht er in Friedenau. Wie und wo es in der kommenden Saison weitergeht, ist noch unklar.

Interessierte Helferinnen und Helfer können sich gerne bei der SPD-Friedenau oder direkt vor Ort melden.

Ann-Christin Wehmeyer

 

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