Ausstellungseröffnung: Sportpark Friedenau

Veröffentlicht am 13.08.2019 in Ankündigung

Sie sind herzlich eingeladen

zur Ausstellung "Der Sportpark Friedenau" der Friedrich-Bergius-Schule

mit Exponaten des Schul- und Stadtteilmuseums

am Mittwoch, 11. September 2019 von 18:30 bis 20:30 Uhr

im Stadtteilmuseum von Dilek Kalayci, Schmiljanstr. 17, 12161 Berlin an der Kaisereiche

Die Besiedelung unserer Gemeinde im 19. Jahrhundert nahm ihren Ausgang am Bahnhof Friedenau der Wannseebahn. Hier gab es die günstigsten Verkehrsverbindungen nach Berlin. Den Potsdamer Bahnhof konnten die Anwohner in elf Minuten erreichen! Das nördliche und nordöstliche Gemeindegebiet blieb zunächst unbebaut.

In dem Dreieck, das von Kaiserallee (heute Bundesallee), Bismarkstraße (heute Sarrazinstraße), Hendjery- und Varzinerstraße gebildet wird, wollte 1884 / 85 die Stadt Berlin eine Gasanstalt bauen. Es gelang jedoch der Gemeindevertretung von Friedenau mit Hilfe Bismarks diese Pläne abzuwehren... [Quelle: Schul- und Stadtteilmuseum an der Friedrich-Bergius-Schule]

Stattdessen wurden in aller Stille, von einer Sportpark-Aktiengesellschaft mit einem Kapital von 1.200.000 Goldmark Pläne, für ein Sport-Etablissement entwickelt, welches ohne Parallele in den damaligen Weltstädten sein sollte. Der Sportpark sollte im Juni 1895 eröffnet werden und außer Sportplatz, Radrennbahn, Schießständen, Turnplatz, Tennisplätzen und Fechthalle, ein Clubhaus sowie Eisbahnen und ein Restaurant erhalten. Beabsichtigt war die Anlage Sommer und Winter in Betrieb zu halten und in einem Parketablissement mit Grotten, Laubengängen und Pavillons „ein vornehmes Gesellschaftsleben zu kultivieren“.

Der Sportpark konnte mit einiger Verzögerung im Sommer 1896 in Betrieb genommen werden und war schnell über die Ortsgrenzen von Friedenau hinweg ein Begriff. Die Rennbahn, eine 500 Meter lange Zementbahn, war die Hauptattraktion und die erste dieser Art in Berlin und Umgebung. Radrennen von internationaler Bedeutung wie „der große Preis von Deutschland“ und das „Goldene Rad von Friedenau“ wurden im Sommer veranstaltet. Im Winter verwandelte sich das Innere der Rennbahn in eine Eislaufbahn.

Viele der markanten Gebäude des Sportparks standen zuvor als Teil der Berliner Gewerbeausstellung von 1896 im Treptower Park. Mit kleinen Veränderungen und Ergänzungen wurden sie in Friedenau wieder aufgebaut und im Mai 1897 ihrer Bestimmung übergeben.

Der beste und berühmteste Radrennfahrer seinerzeit war Thaddäus Robl. 1900 gewann der Münchener sein erstes Rennen in Friedenau. 1901 wurde er Weltmeister und siegte im Friedenauer 24-Stunden-Rennen. Bis zur Schließung des Sportparks im Jahre 1905 gewann er in jeder Saison das „Goldene Rad von Friedenau“. Nach einem gefährlichen Sturz wandte sich Robl der Fliegerei zu. Er stürzte mit seinem Flugapparat 1910 nahe Stettin ab und verstarb noch an der Unfallstelle.

Aber nicht nur Radrennen zogen die Menschen in Massen nach Friedenau. Am 11. März 1899 startete im Sportpark eine spektakuläre Ballonfahrt, die im 300 Kilometer entfernten Buchholtz in Westpreußen endete. Der mit Leuchtgas gefüllte Ballon “Sportpark Friedenau 1“ hatte vier Insassen sicher ans Ziel gebracht.

Im September 1904 wurde das Gelände des Sportparks für 2.875.000 Goldmark an die Berlinische Boden-Gesellschaft verkauft. Damit geriet eine der bedeutenden Austragungsstätten internationaler Radsportveranstaltungen der Jahrhundertwende in Vergessenheit. Unter der Leitung des Kommerzienrates Georg Haberland entstand das „Wagnerviertel“. Alle Straßen in diesem Quartier sind nach Figuren aus den Opern von Richard Wagner benannt. Die Gebäude sind mit großen Wohnungen, individuellen Fassaden sowie mit Vor- und Hausgärten und weiten Höfen ausgestattet.

Die Bebauung des Sportparkgeländes erfolgte nicht zuletzt wegen der großen Nachfrage im Stil der Zeit sehr zügig.

Unser erster Bundespräsident Theodor Heuss, von 1920 - 1929 Bezirksverordneter in Schöneberg, erinnerte sich später: „Als ich nach Friedenau zog, lehnte sich an das Bahnhofsgelände die alte populäre Rennbahn. Als ich es nach zwei Jahren verließ, stand dort das ´Wagnerviertel´ ...“.

Wer heute als Flaneur vom Perelsplatz durch die Isoldestraße zum S-Bahnhof Bundesplatz spaziert, überquert das alte Sportparkgelände in seiner vollen Ausdehnung. Nichts erinnert mehr an die große Sport- und Vergnügungsstätte von einst internationaler Bedeutung.

Das „Schul- und Stadtteilmuseum Friedenau“ hat zahlreiche Erinnerungsstücke an den Sportpark Friedenau und im Schulgebäude der Friedrich-Bergius-Schule zur Ausstellung gebracht. Die Ausstellung kann nach telefonsicher Terminvereinbarung unter 90277 - 7910 besichtigt werden. Herzlich willkommen!

„Schul- und Stadtteilmuseum Friedenau“

an der Friedrich-Bergius-Schule

Perelsplatz 6-9

12159 Berlin

Telefon:  90277 - 7910

Fax:  90277 - 7839

E-Mail:  Friedrich_Bergius@schulen-Tempelhof-Schoeneberg.de

Homepage:  www.friedrich-bergius-schule.de

Das „Schul- und Stadtteilmuseum Friedenau“ wird unterstützt von der PSD Bank Berlin-Brandenburg

 
 

Homepage Dilek Kalayci

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